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SLADO - engagiert für die LSBTQ*-Community in Dortmund

SLADO e.V. ist der Dachverband der Schwulen-, Lesben-, Bisexuellen- und Transidentenvereine und -initiativen in Dortmund. Er besteht seit April 1998 und setzt sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transidenten in Dortmund ein. Der Verein ist als gemeinnützig und als freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe anerkannt.

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Aktuelles

Jahresrückblick: Fünf Lehren aus dem Corona-Jahr

Liebe Mitglieder, liebe Freund*innen,

hinter uns liegt ein anstrengendes Jahr. Die Coronavirus-Pandemie hat auch unsere Community vor ungeahnte Herausforderungen gestellt. Sie hat Pläne zunichte gemacht, Selbstverständliches in Frage gestellt und neue Unsicherheiten heraufbeschworen. Hinzu kommt noch nicht zu bemessener Schaden gerade auch für queere Menschen, der sich nicht in den täglichen Infektions-Meldungen des Robert Koch-Instituts abbildet: verschobene Coming-outs, ausgefallene Präventionsangebote, ein Anstieg psychischer Erkrankungen und häuslicher Gewalt, die wir zur Abwehr von Covid-19 in Kauf nehmen.

Zugleich hat die Pandemie uns einiges nochmals deutlich vor Augen geführt. Wir wollen dies zum Anlass nehmen, um in diesem Newsletter fünf Lehren aus dem Corona-Jahr zu ziehen:

Die Beschränkungen, die die NRW-Landesregierung zu Weihnachten verordnet hat, sind ein deutliches Abbild dessen, welches Gesellschaftsbild dort präferiert wird. Vom „engsten Familienkreis" ist dort die Rede und von „Verwandten in gerader Linie", für die gelockerte Besuchsregelungen galten. An Wahlverwandtschaften und Freund*innen, wie sie nicht nur, aber auch für viele queere Menschen in schwierigen Zeiten wichtig sind, hat die Landesregierung nicht gedacht. Das Land Berlin hat hingegen gezeigt, dass dies möglich ist, ohne die Zahl der Risiko-Kontakte zu erhöhen. Es hat zu Weihnachten Treffen eines Haushalts mit vier weiteren beliebigen Personen ermöglicht.

Auch als nach dem Lockdown im Frühjahr die Jugendarbeit wieder anlief, hat es das Sunrise und andere queere Jugendzentren mehrere Anläufe und Nachfragen gekostet, bis klar war, dass die jungen Besucher*innen doch kein schriftliches Einverständnis ihrer Erziehungsberechtigten benötigen, um die Angebote besuchen zu können. Dass dies für queere Jugendliche vor dem Coming-out unmöglich ist, daran hatte offenbar niemand der politisch Verantwortlichen gedacht. Das Risiko eines ungewollten Outings durch eine Kontakt-Nachverfolgung durch das Gesundheitsamt ist bis heute nicht vollständig gebannt.

Bis solche Überlegungen – auch in Ausnahmesituationen – eine Selbstverständlichkeit sind, bleibt noch viel zu tun. „Queer Mainstreaming", wie es Benjamin Kinkel, Geschäftsführer des Queeren Netzwerks NRW, am 15. Dezember im Rahmen unserer Reihe „Let's talk" benannt hat, muss zu einem zentralen politischen Ziel für unsere Community werden.

Bei allem Unverständnis über manch unsinnige Regelung hat sich die Community nach unserer Beobachtung vorbildlich um Infektionsvermeidung bemüht. Viele Beratungs- und Treffangebote wurden, auch als es erlaubt war, nur behutsam und mit guten Konzepten wieder geöffnet. Masken und Abstand gehörten auch hier zum gelebten Alltag. Einige Angebote konnten seit Beginn der Pandemie noch nicht wieder in annähernd gewohnter Form stattfinden, um alle Beteiligten zu schützen. In unserer Community muss man nicht groß erklären, warum es wichtig ist, auf einander aufzupassen.

SLADO hat aus diesem Grund den CSD abgesagt, weil uns eine sichere Durchführung unmöglich erschien. Andere haben neue Formen für politischen Protest für sich gefunden. Ein schönes Beispiel ist die Fahrrad-Demo zum Dyke*March in Köln im Juli. Besonders beeindruckt waren wir, als wir im August innerhalb weniger Tage mehr als 1000 Regenbogen-Flaggen in Dortmund verteilen konnten. Die Stadt, Organisationen, Unternehmen und Privatpersonen, darunter viele, die sich nicht als Teil der Community begreifen, haben mit großer Begeisterung Unterstützung für unsere Anliegen gezeigt und die Flagge gehisst (siehe Foto). Diese Solidarität wird auch gefragt sein, wenn sich das öffentliche Leben langsam wieder normalisiert und die wirtschaftlichen Schäden in Vereinen und Unternehmen in vollem Maße sichtbar werden.

Seit dem ersten Lockdown im Frühjahr haben wir zahlreiche Formate des digitalen Austauschs erprobt – und einige recht schnell wieder verworfen. Psychosoziale Video-Beratung wurde von Hilfesuchenden nicht angenommen, obwohl die Werkzeuge dafür schon recht ausgereift sind. Hybrid-Besprechungen hingegen, bei denen einige Teilnehmende vor Ort anwesend sind und andere sich per Video zuschalten, werden uns sicherlich auch nach Corona erhalten bleiben. Sie sind einfach zu praktisch. In der Pandemie entstanden auch ganz neue Formate: SCHLAU Dortmund entwickelte den Digi-Dialog, mit dem sich Aufklärung über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in einer Online-Konferenz vermitteln lässt (siehe Foto). Über die ersten Erfahrungen mit den neuen Formaten haben wir uns im Rahmen von „Let's talk" gleich zu Beginn der Pandemie ausgetauscht. Dabei ist deutlich geworden, wie wir alle von dem in den einzelnen Gruppen vorhandenen Wissen profitieren können.

Auch ein plötzlicher Wechsel ins Homeoffice, komplett mit Telefondiensten und Möglichkeiten zum sicheren Datei-Austausch wurde gut gemeistert. Unserer Community erging es dabei wie vielen anderen Teilen der Gesellschaft, die ihren Digitalisierungs-Rückstand deutlich vor Augen geführt bekamen. Nach neuneinhalb Monaten Ausnahmezustand bleibt festzuhalten: Wir haben noch sehr viel aufzuholen.

Zahlreiche funktionierende Einzellösungen ergeben längst noch kein Digitalisierungskonzept. Ein solches ist aber weiterhin dringend notwendig, um die Vorteile digitaler Lösungen zukünftig in unserem Alltag zu nutzen. Die offene Frage ist, wie weit wir hier mit den beschränkten Ressourcen der Community kommen werden. Gerade bei kleineren Gruppen mangelt es an Geld, zum Beispiel für eine Videokonferenz-Lizenz, oder an den Personen, die einen solchen Dienst einrichten können.

Als wir im Januar zum ersten Mal gemeinsam mit dem KCR und IN&OUT einen Neujahrsempfang für die queere Community veranstaltet haben, infizierte das Virus an anderen Orten schon viele Menschen. Mehr als 60 Personen folgten damals unserer Einladung (siehe Foto) und wurden Teil eines besonderen Abends, den wir gern wiederholen wollen. Im neuen Jahr ist das vorerst nicht möglich. Solche Anlässe zum Feiern sind aber wichtiger Kitt für unsere Gemeinschaft, Partys und Konzerte schmerzlich vermisste Highlights. Auch unsere monatlichen Treffen leben vom persönlichen Austausch, der sich in Videokonferenzen nicht annähernd so gut einstellt.

Gerade für Menschen, die neu in der Szene sind oder die sich einer neuen Gruppe anschließen wollen, waren die (gefühlten) Hürden seit jeher hoch. In der Corona-Zeit wurden daraus zum Teil unüberwindbare Mauern. Unkomplizierte Treffen vor Ort fielen aus oder wurden durch Personenbeschränkung und Voranmeldung plötzlich zum Verwaltungsakt. Vorgaben änderten sich teils im Wochentakt. Abstand und Masken ließen jedes Gefühl von Geselligkeit verfliegen. Viele Gruppen haben trotzdem tapfer weitergemacht, so wie es jeweils gerade erlaubt war. Dieser Einsatz ist nicht zu unterschätzen und er unterstreicht, wie ehrenamtliche Arbeit unsere Community am Laufen hält. Er lässt sich niemals durch ein Computer-Programm ersetzen.

Die Pandemie hat nicht nur die Einnahmen vieler Vereine und Unternehmen verringert. Auch die öffentlichen Kassen stehen vor schwierigen Zeiten. Zu Beginn der Pandemie schätzte Kämmerer Jörg Stüdemann die Ausfälle in dem bis Ende 2021 laufenden Doppelhaushalt der Stadt auf 180 Millionen Euro. Für viele Einrichtungen der Community sind öffentliche Fördergelder jedoch eine wichtige Einnahmequelle. Wir müssen uns jetzt darauf einstellen, dass die Verteilung dieser Gelder in den kommenden Jahren stärker umkämpft sein wird und dass wir noch klarer als bisher aufzeigen müssen, warum unsere Arbeit unverzichtbar ist. Anders als das Programm von Kirchen, Sport-, Jugend- und Wohlfahrtsverbänden sind viele unserer Anliegen noch längst nicht so etabliert, dass sie quasi selbstverständlich unter staatlichen Schutz gestellt werden.

Aber auch die lange Durststrecke, die viele Besucher*innen unserer Community in den vergangenen Monaten hinter sich gebracht haben, muss nicht automatisch dazu führen, dass der Ansturm nach dem Ende der Beschränkungen umso größer ausfallen wird. Sicher, was vorher gut und erkennbar mit viel Herzblut gemacht worden ist, wird auch zukünftig begeisterte Anhänger*innen finden.

Aber nicht jedes Angebot wird überleben. Das kann auch daran liegen, dass manchen Aktiven die Energie fehlen wird, noch einmal durchzustarten. Die Abhängigkeit von engagierten Menschen ist ein Markenzeichen unserer Community. Sie ist eine Stärke und ein Schwachpunkt zugleich. Wir werden gemeinsam in den kommenden Monaten und Jahren weiter viel dafür tun müssen, damit sich Menschen für queere Belange in Dortmund einsetzen.

Zu verschiedenen Gelegenheiten haben wir betont, wie wichtig die Öffnung unserer Community hin zu weiteren gesellschaftlichen Gruppen ist. Nur gemeinsam mit anderen, die so wie wir gegen Diskriminierung und für ein akzeptierendes Miteinander kämpfen, werden wir eine wirklich starke Gemeinschaft bilden. Corona hat diese Absichten im ablaufenden Jahr durchkreuzt. Für das kommende Jahr haben wir uns daher vorgenommen, Kooperation stärker zum Thema zu machen. Wir wollen im Rahmen von „Let's talk" dazu erste Impulse setzen und freuen uns, wenn ihr euch hier wieder so aktiv einbringt.

Wir wünschen euch einen guten Start
in ein hoffentlich besseres Jahr 2021!

Daniel, Janina, Mare, Mo und Paul
SLADO-Vorstand

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Selbstbestimmt und frei von Diskriminierung leben zu können. Das sind die Ziele der queeren Community, für die Aktivist*innen seit Jahrzenten kämpfen. Allein schon deshalb ist es für uns selbstverständlich, dass wir im Angesicht der aktuellen Entwicklungen nicht neutral bleiben können, sondern uns klar gegen Rassismus positionieren und mit der Schwarzen Community und People of Colour solidarisieren. Zum vollständigen Statement