Zur Debatte um die Eheöffnung für Lesben und Schwule sowie anlässlich des Dortmunder CSD erklärt der SLADO e.V. Vorstand:

 

„Es macht uns Lesben und Schwule wütend, wenn man liest, wie sich einige konservative Politikerinnen und Politiker über die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule äußern. Man wolle die Ehe schützen hört man dort, da nur dort sichergestellt sei, dass Kinder gezeugt werden. Die Ehe und die Familie sind besonders schützenswert.

 

Wenn das so ist, dann läuft aber offensichtlich etwas schief: In Deutschland gibt es die niedrigste Geburtenrate in Europa! Familien werden in Deutschland im europäischen Vergleich stark subventioniert und dennoch kamen 2011: 15.000 Babys weniger auf die Welt als 2010. Die Zahl der Geburten sank damit um mehr als zwei Prozent. Die UNICEF beklagt, dass Deutschland zu wenig gegen Kinderarmut macht. Im Vergleich mit 28 anderen Staaten erreicht Deutschland bei der Versorgung von Kindern gerade mal Platz 15.  Dass  dies so ist liegt nicht an den Schwulen und Lesben, sondern an Politikern mit Scheuklappen, die immer noch nicht in der Lebensrealität der Menschen im 21. Jahrhundert angekommen sind.

Auf die Gründe warum, die Zahl der Geburten rückläufig sind, möchte ich hier nicht weiter eingehen. Diese sind vielfältig und es ist eine andere Debatte. Aber eine Frage möchte ich dennoch stellen: Wie sollen junge Leute eine Familie gründen, wenn ihre Beschäftigungsverhältnisse überwiegend befristet oder prekär und von Ihnen verlangt wird, dass sie bei ihrer Jobsuche stets räumlich flexibel sind?

 

Wenn man diejenigen die Kinder bekommen und diese groß ziehen, besonders fördern will, ist dies nur recht und billig. Aber seltsamer Weise, will man das Adoptionsrecht für Eingetragene Lebenspartnerschaft nicht lockern. Begründet wird dies mit dem Hinweis auf das  Kindeswohl. Man fürchte, dass Kinder aus Lebenspartnerschaften wohl besonders diskriminiert werden würden. Dass dies keine Relevanz hat, haben nun wirklich genug Studien und Erfahrungsberichte gezeigt. Oder gibt es bei den konservativen Politikern immer noch ein anderes, nicht ausgesprochenes Unbehagen, gegenüber Lesben und Schwulen, die Kinder erziehen?

 

Einige Lesben und Schwule wollen Kinder aber das sie diese nicht kriegen, hat weniger was mit der Biologie zu tun, sondern vielmehr, damit, dass man es ihnen rechtlich schwer macht diesen Wunsch zu realisieren.

 

Bizarr wird es, wenn man sich die Debatte über die steuerliche Gleichstellung der Eingetragenen Lebenspartnerschaft mit der Ehe und das damit verbundene Ehegattensplitting  anschaut. Es geht Lesben und Schwulen nicht in erster Linie ums Geld, sondern vielmehr um das Ende einer Parallelwelt aus Ehe und Eingetragener Lebenspartnerschaft. Aber wenn man schon diese Debatte anstößt, dann muss man ehrlicherweise sagen, dass das Ehegattensplitting schon längst in Frage gestellt wird, auch mit den Hinweis die Diskriminierung von Frauen in der Arbeitswelt zu beseitigen.

 

Wünschenswert wäre eine Debatte darüber, was Familie in der heutigen Gesellschaft eigentlich ist und wie man tatsächlich Menschen fördern kann, die Kinder großziehen. Das Wiederholen konservativer Mantras führt hier sicher nicht zum Erfolg.

 

Die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule stellt eine  Bereicherung der Ehe dar und bedroht diese in keinster Weise. Wir fordern nicht die Abschaffung der Ehe, sondern ihre Anpassung an die Lebensrealität im 21. Jahrhundert. Diese Modernisierung wird die Ehe für die Zukunft stärken.  Wir fordern eine Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule und zwar sofort!“

 

Informationen zum Stand der Eingetragenen Lebenspartnerschaft:

http://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Aktuelles/DE/2012/FAQ-eingetragene-lebenspartnerschaften-20120820.html

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