Zwischen Verfolgung und Selbstbehauptung

Slado e.V.  und sein Kooperationspartner, das Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher laden zu einer Tagung ein, die sich „Schwul-lesbischen Lebenswelten an Ruhr und Emscher im 20. Jahrhundert” widmet. Sie umspannt dabei die Pole der Verfolgung schwuler Männer und lesbischer Frauen in all ihren Erscheinungsformen zwischen Polizei und Justiz, Religion und Gesellschaft, Psychiatrie und Schule, Arbeitswelt und Erinnerungskultur auf der einen und der Selbstbehauptung zwischen Subkultur und Integration auf der anderen Seite.

Die Tagung am Samstag, dem 14. November 2015, von 10 bis 18.30 Uhr, findet in der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache in Dortmund am Nordausgang des Hauptbahnhofs, Steinstraße 50, statt. Sie richtet sich nicht allein an die Wissenschaft, sondern steht allen am Thema interessierten Laien offen.

Am Abend des Vortages, am Freitag, dem 13. November 2015, um 19 Uhr, singt Sigrid Grajek Lieder der im Ruhrgebiet geborenen Chansonnière Claire Waldoff im ältesten noch bestehenden Lesben- und Schwulenzentrum Deutschlands, dem Kommunikationscentrum Ruhr in Dortmund, Braunschweiger Straße 22. Durch den Abend führt Georg Roth, der auch mit ZeitzeugInnen über die Geschichte des KCR spricht.

Beide Veranstaltungen sind kostenlos. Weitere Informationen zur Tagung unter facebook.com/GeschichtstagungDortmund und unter www.verfolgt-verschwiegen-vergessen.de. Anmeldungen zur Tagung erbeten bis zum 12. November 2015 unter geschichte@slado.de.

 

Zum Hintergrund:

Nach jüngsten Recherchen wurden im Dortmunder Polizeigefängnis Steinwache zwischen 1933 und 1945 rund 650 Männer und Jungen wegen ihrer Homosexualität verfolgt. Obwohl die Haftbücher der Steinwache seit Jahrzehnten von zahlreichen historisch Forschenden ausgewertet wurden, blieb diese Tatsache verborgen. Generell stellen Lesben, Schwule und Transidente in der Regional- und Lokalforschung des Ruhrgebiets in jeder Hinsicht eine noch immer vernachlässigte Minderheit dar. Unwissenheit und Ressentiments haben eine wissenschaftliche und archivfachliche Behandlung mit ihnen bislang fast vollständig verhindert.